JOB BLEU NACRE

JOB bleu nacré. Länge: 80mm. Durchmesser 8mm. Teer: 21mg. Nikotin: 1,5mg.

Speziell an dieser Zigarette ist das pergamentartige (nacré) Mundstück, daran bleiben die Lippen garantiert nicht kleben. Leider sieht die Packung aus wie wenn ich sie eben aus der Hosentasche gezogen hätte – eine echte „Arbeiterzigarette“. Entsprechend stark und „trocken“ ist auch ihr Geschmack. Erstaunlich gut erhalten sind dafür die Zigaretten!

Hergestellt unter Lizenz bei Ed Laurens S.A. Genève. Preis: CHF 2.30.

Heute ist JOB für Zigarettenpapier bekannt, zurückzuführen auf die aus dem Jahre 1838 stammende Geschäftsidee des Gründers Jean Bardou.

Job Bleu Nacre1Job Bleu Nacre2

Job Bleu Nacre4

Mit dem nacré Mundstück wurde ein anderer/neuer Ansatz als die bekannte, aber sicher kostspieligere Cork Tipped-Lösung gefunden.

Weitere von JOB hergestellte Zigaretten

Mehr über zwei ganz grosse französische Zigarettenpapierhersteller findet ihr hier auf smokerscult.

Mit fertigen Zigaretten erweitert JOB vor dem 1. Weltkrieg das Angebot: links: Cigarette JOB No 3 | rechts: JOB Sélection Exotique
Cigarettes JOB Floréal | Es schein, als wäre der Herstellungsstandort GENEVE nachträglich eingeklebt worden zu sein. Vermutlich wurde dieser erst nach der Produktion der Verpackung gegründet.

Turmac Bleu & Brun

Turmac Bleu. Schweizer Zigarette mit klassischer orientalischer Tabakmischung. Der Name Turmac steht für «Turkish-Macedonian Tobacco Co». Gegründet 1920 von Robert Burrus. Die Fabrik befand sich ab 1934 an der Friesstrasse 32-34 in Zürch-Seebach.

Format: oval. Teer: 28mg. Nikotin: 1.8mg. Preis: CHF 2.70.

Turmac bleu

Dieses guterhaltene Päckchen ist noch mit der Cellophanhülle versehen. Zu einem späteren Zeitpunkt werde ich es öffnen und eine Zigarette geniessen.

Turmac in der Schweiz

Der Orient beginnt in Zürich-Seebach. Im selben Jahr wie Kiazim Emin Bey und Willem Carel Buschhammer im niederländischen Zevenaar die Tabakfirma Turkish-Macedonian Tobacco Company gründeten, kaufte Robert Burrus, ein Spross der Tabak-Dynastie Burrus, im Zürcher Seebach-Quartier eine leer stehende Fabrikliegenschaft. Dort richtete er eine Zigarettenfabrik ein und begann für Emin Bey Zigaretten mit Tabak aus der Türkei und Mazedonien herzustellen.

Zwischen 1930 und 1950 blühte das Geschäft: Die Fabrikliegenschaft musste laufend erweitert und im Verlauf der Jahre um zwei Stockwerke erhöht werden. Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieg beherrschten Orienttabake den Zigarettenmarkt. Sinnbildlich hierfür ist ein Werbeplakat aus den 1940er-Jahren, das einen Schweizer Grenzsoldaten in einer Winterlandschaft zeigte und mit dem Spruch «Schenk ihm TURMAC» für die Zigarettenmarke warb. Mit dem Ende des Krieges setzte sich schliesslich die mildere amerikanische Tabakmischung (American Blend) durch. Befeuert wurde dieser Trend durch die in Europa stationierten GI’s, die Lucky Strike mitbrachten. Die Folge, der Produktionsanteil an türkisch-mazedonischen Zigaretten nahmen laufend ab.

Um die Umsatzeinbussen auszugleichen, produzierte man in den 1960er-Jahren zunehmend auch andere Zigarettenmarken wie «Parisienne», «Brunette» oder «Mary Long», welche man von Burrus Konzerntöchtern übernahm. 1972 wurde die Produktion in Zürich Seebach eingestellt.

Quellen: Mounir Badran  |  seebach.ch/p/infoseld.php?id=3431


Turmac Brun

Eine sehr gut erhaltene Schachtel Turmac Brun. Die Zigaretten weisen einen kleinen Wasserschaden auf, in der Nase duften sie noch immer herrlich süsslich. Stammt vermutlich aus den 40er / 50er Jahre.

Packung Karton: 90x77x18mm  |  Format Zigarette: oval, Länge 74mm, Durchmesser 12mm.

Herzlichen Dank an Simon, welcher mir die Schachten für diesen Beitrag zur Verfügung gestellt hat!

Zigaretten aus Zürch – Seebach.  Turmac 4  |  Turmac Bleu  |  Turmac Bouquet  |  Turmac Brun  |  Turmac Nestor  |  Turmac Orange  |  Turmac Reginaris  |  Turmac Rot  |  Turmac Rouge  |  Turmac Vert |  Minaret  |  Ramada  |  Reginaris  |  Serdar


Turmac in Holland

Zu Beginn schien die Herstellung von Zigaretten in Zevenaar unter einem  ungünstigen Stern zu stehen. Die Versuche von Tabakhändler Willem Carel Buschhammer, Zigaretten aus holländischem Tabakanbau herzustellen, drohten bereits in Rauch aufzugehen. Die Wende kam mit Kiazim Emin Bey, der wie ein Scheich aus einer Episode aus Scheherazades «1001 Nacht» mit eigenem Eisenbahnwaggon, umgeben von zahllosen Dienern und zigarettenrauchenden Haremsdamen, in Zevenaar einrollte. Mit Kiazim aus dem schweizerischen St. Moritz*, änderte sich dann die Ausgangslage dann schlagartig, denn in seinem Gepäck brachte der türkische Besucher hochwertige mazedonische und türkische Tabake mit. Diese verhalfen den Zigaretten Made in Zevenaar zu ihrer exotischen Note und zum grossen Erfolg.

Den Erfolg vor Augen gründeten Willem Buschhammer und Kiazim Emin Bey 1920 die Tabakfabrik «Turkish-Macedonian Tobacco Company». Aus dem Kürzel entstand der Name Turmac. Es sollte ein erfolgreiches Unternehmen entstehen, das bis nach der Jahrhundertwende Zevenaars wichtigster Arbeitgeber bleiben sollte.

Zevenaar-Turmac-fabriek-collectie-Disberg

Auf Verpackung und Werbung wurde bei Turmac grossen Wert gelegt. Spezielle Zigarettenschachteln (zuerst Blechdosen, später aus Karton) mit orientalischen Ornamenten in unterschiedlichen Farben zur Differenzierung der verschiedenen Sorten wurden geschaffen. Ein Teil ist heute im historischen Museum Deventer zu sehen.

Der Verkaufszahlen von Turmac gingen Ende 1950er-Jahre stark zurück, der Vormarsch der amerikanischen Zigaretten war unaufhaltsam, der Geschmack der Raucher hatte sich verändert, dies nicht zuletzt durch den American Way of Life.

Bereits 1960 liefen die letzten holländischen Turmac Zigaretten vom Band. Um den Fortbestand der Fabrik und Arbeitsplätze zu sichern, begann man für andere Hersteller in Lizenz für den europäischen Markt zu produzieren, zunächst für Rothmans, später für die British American Tobacco Manufacturing Company (BAT). 2008 wurde dann die Ära «Zigaretten aus Zevenaar» besiegelt, die Fabrik geschlossen.

Die Kunstsammlung. Ab 1960 produzierte Turmac die Marke Peter Stuyvesant. Der damalige Direktor Alexander Orlow begann Kunst zu sammeln. Um die Monotonie der Arbeit zu durchbrechen, wurden an den Arbeitsplätzen Werken moderner Künstler wie Karel Appel, Armando und Corneille aufgehängt. Auf diesem Weg entstand die weltberühmte Peter-Stuyvesant-Sammlung.

Turmac’s neue Zukunft als Rathaus von Zevenaar. 2013 beschloss der Stadtrat von Zevenaar das neue Rathaus in der ehemaligen Zigarettenfabrik zu errichten. 2019 wurden mit Ausnahme von Haus 15 und Haus 24 die anderen Gebäude abgerissen, um neuen Wohnraum zu schaffen. Ein Teil der historischen Turmac Fabrik wurde als «Nachkriegs-Baudenkmal mit Symbolcharakter in die sogenannten «Top 100 Dutch Monuments 1940-1958» aufgenommen.

*Quelle: Rien van den Heuvel für das Liemers-Museum https://www.liemersverleden.nl/streekarchivariaat-de-liemers-en-doesburg/zevenaar/historie-zevenaar/abc-zevenaar/turmac-bat-sigarettenfabriek/

Craven „A“ | Cork Tipped

CRAVEN „A“ Cork Tipped. Endlich ist es so weit, eine meiner absolut bevorzugten Zigarette ist nach langer intensiver Suche dank Thomas in meinen Besitz gelangt. Und das gleich 3 Mal. Akkurat und original in Zellophan verpackt, mit perfekt erhaltenem Inhalt, aufgestöbert wurden sie in Spanien. Einen grossen Dank an den der sucht und findet!

Lange hatte ich sie gesucht, meine letzte Schachtel kaufte ich 2006 in Saint-Tropez während eines Urlaubs. Davon existier sogar noch ein Foto (weiter unten). Nur ist da bereits schön länger der grosse kleine Unterschied zum «Original» zu sehen. Denn früher waren die „A“ noch wirklich echt «Cork Tipped».

Cork Tipped? Was heisst das denn? Wer wie ich die Gnade des «früher geborenen» hat, erinnert sich vielleicht noch, wobei, in den 70er Jahren war das die einzige Marke, die mir bekannt war, welche wirklich Cork Tipped war. Aber fast alle klassischen Filterzigaretten besassen dieses beige-orangen, mit hellen Sprenkeln durchsetzte Filterpapier. Warum aber dieses Muster und diese Farbe? Die Erklärung ist einfach, es wollte die gelernte, ursprünglich mit einer hauchdünnen Schicht von echtem Kork überzogene Mundspitze nachahmen.

Craven A Cork Tipped

Masse Zigarette: Länge: 72mm, Durchmesse 7mm, Korkstreifen 11mm. Packung: 85x75x18mm

Craven A Cork Tipped

Der Reihe nach: Habt Ihr schon mal eine Zigarette ohne Filter geraucht? Vielleicht eine Gauloise bleu, eine Parisienne carré, eine Player’s Navy Cut oder ne Roth-Händle? Genau – da war nicht nur dieser tolle unverfälschte starke Geschmack von Tabak, sondern als Zugabe gleich noch ein paar Krümel Tabak auf der Zunge. Diese konnte man entweder mit Daumen und Zeigefinger entfernen (dezent-elegant) oder mit zugespitzte Zunge, untermalt mit mehreren kurzen Pfütt-Pfütt-Lauten ausspucken (einiges weniger elegant). Noch viel weniger angenehm war aber der Umstand, dass regelmässig Zigarettenpapier an den feuchten Lippe in inniger Verbundenheit kleben blieben.

Etwas Geschichte – die Zigarette erobert die Welt: Erst ab ca. 1830 wurde die «Cigarette» – also das Rauchen von Tabak, zuerst in Blätter gerollt, später auch in dünnem Papier, in Frankreich populär (andere Quellen schreiben die Zigarette den Spaniern zu, dort «Papelate» genannt). Dies als Alternative zum bis dahin bekannten Pfeifenrauchen oder Snuff. Um 1860 brachten britische Kolonialisten und Soldaten bei ihrer Heimkehr fremde, exotisch duftende Tabake aus fernen Ländern nach Hause. Das Rauchen und der Duft exotischer Zigaretten wurden rasch Mode.

Die ersten Zigaretten waren ursprünglich alle filterlos (Plain) und das Mundende nicht umhüllt (Tipped). Mit dem Aufkommen Türkischer, Ägyptischer und Russischer Zigaretten kam auch ein neuer Trend – Gold Tip. Bei diesen hochpreisigen Zigaretten war das Ende der Zigarette mit einem echten Band Blattgold überzogen. Die Zeit als die Lippen des Rauchers auf am Zigarettenpapier klebten, waren vorbei – zumindest für die wohlhabenden Zeitgeister. Später folgte die Einführung von Cork Tips und Goldimitaten als günstige Alternative zu echtem Blattgold. In der Schweiz gab es eine weitere Alternative, die JOB Nacre, hier war das Mundende mit einer Art Perlmutterpapier umhüllt (auf diesem Blog).

Pure Gold Tipped Cigarettes

Rauchen wird Mode: Der neue Trend verlangte neue Verkaufsstrategien. Marken und Verpackungen erhielten eine grössere Bedeutung. Die alte Nummerierung und Kennzeichnung der Mischungen blieben vorerst noch bestehen, wurde jedoch mit beschreibenden Zusätzen wie Gold-, Cork-Tipped, Rund, Oval, Lang, Mittel, Klein, Voll, Mittel und später Mild angereichert.

Auch die traditionelle Art Zigaretten in Holzkistchen und Pappschachteln mit 100 oder mehr Zigaretten zu verkauft wurde hinterfragt. (Exklusive und exotische Marken wurden zum Teil in aufwendigen Blechdosen angeboten, siehe Simon Arzt). Packungen mit 10 und 20 Zigaretten sowie Kartons mit 25 und 50 Zigaretten wurden ab 1880 nach und nach eingeführt. Um das Rauchen noch populärer zu machen, gelangten um 1890 Packungen mit 5 Zigaretten in den Verkauf. In meiner Jugend konnte man selbst einzelne Zigaretten kaufen.

Eine Erfindung führte zum Erfolg: 1881 erhielt James Bonback aus Virginia das Patent für die von ihm erfundene Zigarettenrollmaschine. Diese ermöglichte es 10’000 Zigaretten pro Stunde herzustellen. Eine Revolution, denn bis dahin wurden Zigaretten noch ausschliesslich von Hand gedreht. Um die Effizienz seiner neuen Maschine zu demonstrieren, veranstaltete Bonsack 1897 einen Zigaretten-Roll-Wettbewerb: Gesucht wurde der/die schnellste RollerIn. Mit 162 handgerollten Zigaretten in 30 Minuten gewann Lily Lavender den Wettbewerb!

James Albert Bonsack

Die von James Albert Bonsack erfunden Zigarettenrollmaschine (U.S. patent 238,640, granted March 8, 1881)

Um die Jahrhundertwende (1900) führte ein erbitterter «Tabakkrieg» zwischen der American Tobacco Company und britischen Herstellern zu veritablen Werbekämpfen zwischen den grossen Markt-Playern. Man überbot sich mit neuen Strategien: Hauslieferungen, Preisausschreiben, Wertmarken und Sticker sammeln (Pokémon & Panini lassen grüssen) waren angesagt. Alles was das Wachstum des Zigarettenmarktes förderte, wurde ausgelotet.

Die gesundheitlichen Bedenken hinsichtlich des Rauchens von Zigaretten bestanden jedoch bereits seit dem späten 19. Jahrhundert. Nach dem 1. Weltkrieg, als viele Männer stark zigarettenabhängig nach Hause kamen und häufig gesundheitliche Probleme hatten (vermutlich nicht nur vom Tabak!), erhielt diese Thematik erneut Beachtung. Die Zigarettenindustrie reagierte um 1920 mit der Einführung der ersten Filterzigaretten. Später folgten mildere Sorten, die starken Zigaretten wurden langsam ersetzt.

In den 20er und 30er Jahren feierte die Zigarette in eine goldene Ära. Rauchen war bei Männern und Frauen Chic. Marken und Packungsdesigns spiegelten das glamouröse Image wider, dass das Rauchen erlangt hatte. Vornehme Clubs, Gesellschaften sowie grosse Theater- und Kinoketten führten eigene Zigarettenmarken ein, hier ein paar Namen: Foyer, Private Lounge oder Circle.

Mit der ab 1930 zunehmenden Beliebtheit des Virginia-Tabaks begann der Stern der exotischeren importierten Marken langsam aber stetig zu sinken. Die mondänen Goldspitzen, die mit den exklusiven Importmarken verbunden wurden, wurden von den neuen Filterzigaretten ersetzt und waren bis 1940 fast verschwunden. In Folge des 2. Weltkrieges verschwanden viele kleinere Hersteller, grössere überlebten durch Zusammenschlüsse.

Die wichtigsten Tabaksorten und ihr typischer Geschmack:

  • Virginia-Tabak: süss, strohig und heuartig.
  • Burley-Tabak: würzig, bitter, erdig und holzig.
  • Orient-Tabak: süsslich, schwer, schweißig und grasig.

Nach den Kriegsjahren in den 50er Jahren brachten die meisten Zigarettenmarken zu den herkömmlichen «Plains», eine Alternative mit Filterspitze. Benson & Hedges führte 1960 das King-Size Format ein. Diese wurde von anderen Herstellern schnell kopiert. Weitere Varianten folgten: Super King, International Size oder Slims. Ab 1970 wurden viele der Zigaretten in normaler Stärke wegen gesundheitlicher Bedenken vom Markt genommen. 1971 erschien in Grossbritannien die ersten Gesundheitswarnungen auf den Verpackungen.


Craven A Cork Tipped

Craven A Cork Tipped

DIE GESCHICHTE VON CRAVEN „A“

Die Geburtsstunde:

Im Jahr 1904 wurde die Carreras and Marcianus Ltd an der St James’s Place, Aldgate EC3 gegründet. Zweck der Firma war es die Produktion von maschinell hergestellten Zigaretten aufzunehmen. Im gleiche Jahr feierten drei Marken ihren Markteintritt, darunter Black Cat. Sie war die erste Zigarette im Vereinigten Königreich, bei welcher man beim Kauf Gutscheine enthielt, diese konnten gegen Geschenke eingelöst werden.

1921 brachte Carreras die Marke Craven „A“ auf den Markt. Sie sollte für das Unternehmen ein grosser und durchschlagender Erfolg werden, zu ihren besten Zeiten wurde sie in 120 Ländern verkauft. Craven „A“ war die erste maschinell hergestellte Zigarette mit Korkspitze. Ihr Name wurde nach dem Earl of Craven benannt, deren Familie enge Freunde der Firma waren.

Kurz nach der Einführung von Craven „A“ brachte Carreras 1921 weitere Marken wie Wall Arms, Piccadilly und Turf auf den Markt. Bereits 1927 stiess das Arcadia-Werk an der City Road an seine Kapazitätsgrenzen. Der Krieg hatte die Nachfrage nach Zigaretten massiv erhöht, trotz der Übernahme anderer Londoner Betriebe in Aldgate musste Carreras eine Lösung für eine neue Fabrik und grössere Produktionsmengen finden.

Im Jahr 1928 wurde das berühmte Arcadia-Werk in Mornington Crescent NW1 eröffnet, einem angesagten Ort, der damals von Künstlern und Schriftstellern frequentiert wurde. Das Gebäude, das zu einem wichtigen Wahrzeichen Londons geworden ist, war für die Zeit in seinem Konzept wie in seinem Design revolutionär. Es war das erste architektonische Werk in Grossbritannien, bei welchem die neue Spannbetontechnologie zum Einsatz kam. Dazu kam noch weiter technische Highlights: so verfügte sie über eine Klimaanlage oder eine Staub Absauganlage zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Auch war das Unternehmen das Erste, das für seine Mitarbeitenden umfassende Sozialleistungen erbrachte. Den Eingang zum imposanten Gebäude dominieren noch heute zwei grosse Bronzekatzen. Diese Abbilder des ägyptischen Gottes Bastet, welche in der Londoner Haskins-Giesserei gefertigt wurden, sind jeweils zwei Meter gross und wachen bis heute stolz und erhaben über Arcadia Works.

Carreras and Marcianus Ltd Craven A Craven A Cat

Die Anziehungskraft der Arcadia-Werke am Mornington Crescent war so gross, dass sie oft vom britischen Adel und vom König besucht wurden, darunter der Herzog von Windsor, König George VI oder dem Herzog von Kent.

Craven A Cork TippedCraven A Cork TippedCraven A Cork TippedCraven A Cork TippedCraven A Cork TippedCraven A Cork Tipped

Das Raucherlebnis nach so lange Zeit: Nachdem ich die Zigaretten längere Zeit in meinem Humidor aufbewahrt habe war es soweit. Mir Ehrfurcht habe ich mir eine Craven A angezündet. Was dann geschah, hat mich total überrascht. Die Zigarette besitzt auch nach Jahrzehnten noch alle typischen Merkmale. So viel Geschmackserlebnis hat mir eine Zigarette schon seit einer gefühlten Ewigkeit nicht mehr bereitet. Das Aroma ist überwältigend, die Stärke wie früher, vielleicht etwas herber und weniger Süsse als in meiner Erinnerung (Eine A ist aber auch keine Sweet Afton oder Player’s Navy Cut – die waren für ihre teerige Süsse ja legendär).

Craven A Cork Tipped

Cork Tipped. Noch bevor es die Zigaretten mit Filter gab, zeichnete sich Craven „A“ mit einer echten Innovation aus. Ihr Mundstück war mit einer hauchdünnen Schicht aus echtem Kork versehen. Der Vorteil: Das lästige und zuweilen schmerzhafte Klebenbleiben feuchter Lippen am Papier gehörte der Vergangenheit an. Zudem fühlte sich das Mundstück sehr sanft an, etwas, dass zur damaligen Zeit bestimmt „unmännlich“ wirkte. Dies ist wohl der Grund, warum die Werbung vorerst hauptsächlich auf Frauen fokussiert war.

Craven A

No more Cork Tipped! R.I.P. Zum Vergleich oben eine Craven „A“ aus dem Jahre 2006. Gut zu erkennen, die Mundspitze besteht nicht mehr aus echtem Kork, sondern aus einem bedruckten Papier, so wie man es von früheren Zigaretten kennt (Marlboro usw,). Immerhin gab es 2006 noch diese wunderbare Zigarette, genauso wie auch den legendären Strand «La Plage des Jumeaux» in Ramatuelle (F)…

La Plage des Jumeaux


Das Design lebt. Auch wenn diese King Size Filterzigarette im Geschmack mit der Cork Tipped nicht zu vergleichen ist, wenigsten lebt das tolle Design (noch) etwas weiter.

Craven A King Size

Craven A King SizeCraven A King Size


Werbung aus vergangenen Zeiten

craven a cork tipped cigarettes advertising

Was heute absolut undenkbar ist, war nach dem Ersten Weltkrieg ein erfolgreicher Slogan, mit dem die Marke für ihr Produkt Werbung machte: „Will Not Affect Your Throat.“ „Reizt Ihren Hals nicht.“…

craven a cork tipped cigarettes advertisingcraven a cork tipped cigarettes advertising

 

Und noch eine hübsche Tipped-Geschichte zum Schluss:

Hier geht es um die Geschichte einer antiken Zigarettenschachtel aus den 1920er Jahren. Die Aussenseite ziert ein blau-rosa Bild eines ägyptischen Scheichs, im Hintergrund sieht man Palmen, Pyramiden und Kamelen. Im Inneren befinden sich 18 originale «Gold Tipped».Zigaretten (um ein Ankleben der Lippen zu verhindern). Jede Zigarette ist mit dem filigranen Stempel «Specially Made for Hope Hampton“ von M.S. & Said Abdoulatif Elgabri, Kairo».

Hope Hampton (Mae Elizabeth Hampton, 19. 2. 1897 – 23. 1. 1982) war eine aufstrebende amerikanische Opernsängerin und erfolgreiche Stummfilm Schauspielerin.  In den 1920er Jahren erlangte sie Berühmtheit mit ihren Flapper-Girl- und Sirenen-Rollen.

In Hopes Flitterwochen in Ägypten soll ein Scheich ihrem Ehemann £ 10.000 Britische Pfund für seine Frau geboten haben. Mit einem Lächeln antwortete der Ehemann dem Scheich, die Juwelen die Hope besässe hätten mehr Wert, als er für seine Ehefrau biete! Die Flitterwochen fanden 1923 statt, man kann also davon ausgehen, dass Hope zu dieser Zeit diese aussergewöhnlichen Custommade-Zigaretten als Geschenk erhielt.

M.S. & Said Abdoulatif Elgabri, Kairo

Hope Hampton actress

Hope Hampton M.S. & Said Abdoulatif Elgabri, Kairo

Gauloises Caporal Ordinaire (bleu)

Gauloises Caporal Ordinaire. „La France perd ses «brunes »: les cigarettes mythiques Gitanes et Gauloises! Diese Meldung erschien am 31. August 2005 in der französischen Presse anlässlich der Schliessung der franko-spanischen Zigarettenfabrik Altadis in Lile. Damit verschwand auch der geliebte Dunst aus den berühmten Literaten-Cafés am Montparnasse und Saint-Germain-des-Prés, in welchen bekennende Gauloises-Raucher wie der Dichter Jacques Prévert, der Schriftsteller George Orwell oder Serge Gainsbourg Hof hielten. 1876 rief die „Régie françaises des tabacs“ die Marken Odalisques, Elégantes, Hongroises, Boyards, Russes etc. ins Leben. Jede Marke führte eine „Caporal ordinaire“, welche im für diese Sorten typischen hellblauen Päckchen verkauft wurde. „Les brunes“ – damit war der dunkle Tabak gemeint – oder besser „Le bleu“, wurden diese günstigen und rustikalen Zigaretten genannt. 1910 wurde die Marke Hongroises in Gauloises umbenannt, kurz darauf gelangten die ersten 50’000 Päckchen in die legendären Tabac-Geschäfte Frankreichs. 1925 zeichnete Giot den ursprünglichen geflügelten Helm und beflügelte die Marke mit ihrem unverwechselbaren Symbol zu wahren Höhenflügen. 1936 gestaltete der Grafiker Marcel Jacno das Päckchen und überarbeitete dabei den Helm. Eine Legende und der Inbegriff französischer Zigaretten war geboren. (An dieser Stelle einen ganz speziellen Dank an Thomas, welcher dieses Päckchen an einem Flohmarkt in Zürich entdeckt und an mich gedacht hat!) Gauloises Caporal bleu Gauloises Caporal bleu Gauloises Caporal bleuGauloises Caporal Ordinaire

Entwicklung der Verpackung: Die ursprüngliche Packung ist noch nicht durchgängig Blau, lediglich der Aufdruck ist in blau gehalten. Der von Giot gezeichnete Helm wird bereits als Bildmarke eingesetzt.

Und wieder hat mit Thomas einige Raritäten besorgt. Ob ich es wage die eine oder andere Packung zu Öffnen um den Inhalt zu prüfen – zu rauchen? Der Preis sollte eigentlich Auskunft über das Alter geben. Wer weiss mehr dazu?

 

 

Karelias Virginia Plain Ovals

Karelias Virginia Plain Ovals. Eine perfekte Virginia. Wer Zigaretten wie Sweet Afton oder Player’s Navy Cut liebte, in Griechenland gibt es sie noch, eine lebende Legende. Länge: 69 mm. Breite: 9mm. Format: oval. Teer: 10mg. Nikotin: 1.0 mg. Hergestellt bei Karelia Tabacco Company Inc. Kalamata, Griechenland. Aktueller Preis: € 4.-

Mein Tipp: Macht Golf-, Bade- oder Kulturferien in Griechenland, dann könnt ihr (noch) eine paar dieser wunderbaren Zigaretten erstehen. Aber bitte mit Vorsicht geniessen, heute ist man eine solch olfaktorische „Geschmacksexplosion“ beim Rauchen nicht mehr gewohnt! Für mich ein tolles déjà-vu (herzlichen Dank lieber Patrick). Karelias Virginia Plain OvalsKarelias Virginia Plain Ovals1Karelias Virginia Plain Ovals2

Papier d’arménie

Papier d’arménie – armenisches Papier. Ausnahmsweise berichte ich hier einmal über etwas anderes als über Rauchwaren. Zugegeben, etwas Rauch entsteht auch hier, diesmal aber für den „Rauch danach“. Wer nach dem Genuss einer feinen Zigarette, Zigarre oder eines deftigen Essens am nächsten Morgen keinen störenden „Duft“ in den Wohnräumen haben will, greift also am Besten zum papier d’arménie, dessen Rauch nach Weihrauch riecht.

Das Armenische Papier wird seit 1885 in Montrouge in der Nähe von Paris in einer kleinen Manufaktur hergestellt. Die geruchsneutralisierende und antiseptische Wirkung verdankt es dem Harz des Storaxbaumes (Styrax tonkinensis) mit dem das Papier getränkt wird. Der französische Orient-Reisende Auguste Ponsot lernte im Ottomanischen Reich die Tradition der Armenier kennen, ihre Häuser mit dem Rauch von Benzoe-Harz zu parfümieren. Henri Rivier, ein Pharmazeut, entwickelte eine Methode zur einfachen Anwendung, er löste die im Harz enthalten Benzoe in Alkohol und tränkte damit Papier, das anschliessend getrocknet wurde. Wie bei Räucherstäbchen entfaltet sich der Duft durch das Abbrennen. Mireille Schvartz, eine Nachfahrin Riviers, produziert heute bereits in vierter Generation das papier d’arménie, welches in kleinen Büchlein angeboten wird. http://www.papierdarmenie.fr

papier d'arménie

Fantasia by Nat Sherman

Fantasia, Assorted Colors Gold Filtered Cigarettes. Eine elegante „Queen Size“ Zigarette in 5 Farben mit goldenem Filter. Lautia Sherman, die Matriarchin der Firme, inspirierte zu dieser Zigarette die auch in Black & Gold erhältlich ist. Länge: 101mm. Durchmesser: 7mm. Der Name Nat Sherman steht seit den 30er Jahren für luxuriöse Zigaretten und Zigarren. Angefangen hat die Erfolgsgeschichte in einem New Yorker Speakeasy während der Prohibition der 20er Jahre. Das Hauptgeschäft befindet sich an der E 42nd Street in New York – ein Besuch lohnt sich!

Nat Sherman FantasiaNat Sherman FantasiaNat Sherman Fantasia

Villiger Mocca | Stumpen

Villiger Mocca Stumpen. Hergestellt aus überseeischen Tabaken bei Villiger Söhne in Pfeffikon, Luzern. Länge: 90mm. Durchmesser: 13mm. Der „Villiger Mocca Stumpen“ war zwischen den beiden Weltkriegen und auch noch in den Jahren nach 1945 eines der absatzstärksten Villiger Fabrikat in Deutschland. In drei deutschen Herstellungsbetrieben wurde neben dem Villiger MOCCA auch Villiger HAVANESER, Villiger LIGA und Villiger SENIOR von Hand hergestellt. Von 1,4 Milliarden Stück Cigarren, Cigarillos und Stumpen, entfielen 2012 nur noch rund 360’000 Stück auf die älteste Traditionsmarke MOCCA. Mein Tipp, geniesst einen Mocca Stumpen, solange es ihn noch gibt! Als einzige Vertreterin des Unternehmens darf die „Mocca“ noch das ursprünglich Logo tragen.

Die Zigarrenmanufaktur wurde 1888 durch Jean Villiger gegründet. Eine von vielen Innovationen geht auf das Jahr 1907 zurück, als Louise Villiger, welche nach dem Tod von Jean Villiger die Leitung des Unternehmens übernahm, einen Gänsekiel als Mundstück in Zigarren einarbeiten liess. Auf diese Weise gelangte kein Tabak in den Mund. Viele Villiger-Stumpen wurden zu Bestsellern. So auch die RIO 6, eine kleine Zigarre, deren Packung genau in die Patronentasche der Soldaten passte und damit zum Symbol des wehrhaften Schweizers wurde. Nachdem Kaspar Villiger 1989 Bundesrat wurde, übernahm Heinrich Villiger die Leitung der Gruppe. Zum 120 jährigen Firmenjubiläum wurde die «1888» als Corona, Robusto, Short Robusto und Torbedo lanciert – exzellente Zigarren!

Einen ganz speziellen Dank an Heinrich Villiger. Er hat mir auf meine Anfragen umgehend und persönlich mit seinem grossen Wissen weiter geholfen und auch Bilder der Villiger-Stumpen-Familie“ geschickt.

Erläuterung: Stumpen – so nennt man in der Schweiz etwas, das kurz, klein, gedrungen ist.

Bild unten v.l.n.r.  Villiger HAVANESER, Villiger MOCCA, Villiger LIGA und Villiger SENIORVilliger Stumpen Havaneser, Mocca, Liga, SeniorVilliger Stumpen Havaneser, Mocca, Liga, Senior1

Toscani

Sigari Toscani. Eine typisch toskanische Zigarre, die mit natürlich fermentiertem Kentucky Tabak produziert werden. Die Adern des Blattes sind gut zu sehen und geben der Toscani ihren archaischen Charakter. Länge: 85mm. Durchmesser: 7-13mm. Preis: CHF 2.80. Die Marke wurde 1977 eingeführt, ab 1983 war sie im Besitz der Fabbrica Tabacchi Brissago. 2007 wurde sie gelöscht. Hergestellt bei La Nazionale, Francesco Camponova & C. an der via Dante Alighieri 7 in Chiasso. Ihr Ursprung führt ins Jahr 1818 zurück. Ferdinand III, Großherzog der Toskana, soll Tabakblätter, die versehentlich nass wurden, getrocknet haben.

Sigari Toscani Sigari Toscani Sigari Toscani Sigari Toscani