Wie schmeckt eine Zigarette, die schon lange nicht mehr hergestellt wird? Kann man sie «wiederbeleben» und geniessen?

Der TestWarten in meinem Humidor auf ihre Wiedergeburt: v.l.n.r. Andron, Rameses II, Simon Arzt No. 70L.

Als passionierter Geniesser habe ich schon in jungen Jahren angefangen zum Teil exotische Zigaretten zu sammeln. Sammeln ist vielleicht nicht das richtige Wort, ich habe vielmehr immer wieder eine Schachtel in eine Blechdose getan. Und jetzt stehe ich vor einem kleinen, raren Sortiment, welches dem heutigen Geschmacksdiktat, aber natürlich auch gesundheitlichen Aspekt geopfert wurde. Denn Hand aufs Herz, 26mg Teer sind nicht ohne, das verleiht zwar viel Geschmack, ist aber selbstverständlich nicht gesund. Da ich aber schon lange ein Genusspaffer bin (Zigarren sei Dank), habe ich mich beim Rauchen ganz auf das olfaktorische Momentum verlegt. Mit dem Resultat: Ich bin ein überzeugter Multikultiraucher.

So ist die Idee zu diesem Blog entstanden, ich will nicht nur leere Schachteln ins Web stellen, sondern auch deren Inhalt zeigen. Und wenn es irgendwo noch«Überlebende» gibt, versuche ich sie zu retten und schaue ob man sie noch geniessen kann. Meine Erkenntnis: auch wenn sich über die Jahre manche Inhaltsstoffe etwas verflüchtigen, der Grundcharakter der Zigarette bleibt erhalten. 

Genüsslich, S. Moker

Gute grenzüberschreitende Beziehungen

Die Geschichte vom Zigarettenpapier JOB und LE NIL

Eine grenzüberschreitende Beziehung zwischen dem spanischen und dem französischen Cerdanya steht am Anfang dieser Erfolgsgeschichte.

«Livrets-portefeuilles» Die Grundlage des Erfolges: Am 14. November 1849 wurde das Patent n° 8872 für die JOB-Verpackung erteilt.

Die Idee ging von Joseph (1823-1884), dem ältesten Sohn von Jean Bardou (1799-1852), aus. Er war von Beruf Mützenmacher und arbeitete im nahe der Grenze zu Spanien liegenden Bourg-Madame. Im ebenfalls grenznahen spanischen Ort Seo d’Urgel, lebte ein Mann namens Ginesto der ein Eisenwarengeschäft besass und als Nebeneinkommen das Herstellen von Heftchen «Papiers à Cigarettes» betrieb. Joseph Bardou pflegte mit Ginesto einen guten Kontakt und erwarb von ihm kleinere Mengen von Zigarettenpapier, dabei erfuhr er auch viel über das Geheimnis deren Herstellung. Zu dieser Zeit kam das in Frankreich angeboten Zigarettenpapier praktisch ausschliesslich aus Spanien. Joseph hatte die Idee, solches selbst in Frankreich herzustellen. Sein Vater Jean Bardou, dessen Beruf ursprünglich Bäcker war, diesen aber mit 35 Jahren aufgab, um in Perpignan ein Geschäft für «Fantasiepapier» zu eröffnen, erkannte bei einem Besuch seines Sohnes im Jahre 1847 das Potential dieser Idee. Dazu kam, dass er beim Besuch seines Sohnes in Puigcerdà bei Seu d’Urgell eine clevere Innovation entdeckte. Als Papierhändler war er sofort begeisterte. Dabei handelte es sich um die von den Spaniern praktizierte Methode, vorgeschnittenes Zigarettenpapier in kleinen Heftchen zu verkaufen. Dies war nicht nur praktisch, sondern auch hygienisch. Nach seiner Rückkehr nach Perpignan besass er die nötigen Informationen, um mit seinem Sohn mit der Herstellung von «Zigarettenpapier in Heftchen» zu beginnen.

Emailleschilder JOB | links: Ägyptischer Zeitgeist | rechts: Der Kaminfeger als Botschafter für Hygiene-Zigarettenpapier

Diese wurden zuerst von der Familie Bardou im Hinterzimmer handgeschnitten und in lokalen Apotheken angeboten. Der Erfolg stellt sich rasch ein. In der Folge schlossen sich die Bardous mit Jacques-Zacharie Pauilhac, einem Handelsvertreter aus Toulouse zusammen, der die JOB-Papierhefte mit der der Postkutsche weiter ins Land vertrieb. Im Jahr 1858 verlieh die Anbindung von Perpignan an das Eisenbahnnetz JOB einen weiteren Schub. Diese Expansion konnte Jean Bardou leider nicht mehr erleben, er starb Ende 1852. Sein jüngerer Sohn Pierre sollte sein Nachfolger werden, er ersteigerte die Marke JOB im August 1853 für 16.000 Francs.

Um die Qualität seines Produkts durch die gesamte Wertschöpfungskette sicherzustellen, kaufte Pierre Papierfabriken in La Moulasse in der Ariège. Auch gab er bei grossen Künstlern der damaligen Zeit Plakate für Werbezwecke in Auftrag. Dank JOB wurde Perpignan zur Welthauptstadt des Zigarettenpapiers.

1878 änderte Pierre Bardou per Dekret des Präsidenten seinen Namen in Bardou-Job. Ein Beweis für seinen Stolz auf das Erreichte und wie hoch das Ansehen der Marke JOB über die Jahre gestiegen war.  

Pierre Bardou-Job

Ein Gesetz führt zum Erfolg Ein in Frankreich ab 1844 eingeführte Gesetz über Erfindungspatente begünstigte den Erfolg des Job-Papiers. Am 3. September 1849 reichte Jean Bardou einen «Antrag auf Erteilung eines Erfindungspatents für die Herstellung von Zigarettenpapier, das als Job-Papier bezeichnet wird», ein. Das Patent wurde am 14. November 1849 vom Ministerium für Landwirtschaft und Handel für eine Dauer von 15 Jahren erteilt, damit erfolgte der Startschuss zum Erfolg des Job-Papiers.

Dank dieser Gesetzgebung verteidigten fortan die Bardous ihre Markenrechte erfolgreich vor Gericht und trugen so auch zur erfolgreichen Durchsetzung der Rechtsprechung gegen Fälschungen in Frankreich bei.

Die Marketing-DNA der Marke JOB Das Job-Zigarettenpapier von Jean Bardou beruhte objektiv betrachtet auf der Nachahmung der spanischen Zigarettenpapierverarbeitung. Es galt also einen klaren und differenzierenden Unterschied zwischen den vorherrschend spanischen und seinen eigenen Produkten zu machen.

Die eigentliche JOB-Innovation war es, das Produkt als Marke zu etablieren, um sich so in einem bis zu diesem Zeitpunkt generischen Markt abzuheben.

Der Grundstoff, das Feinpapier, stammte aus der französischen Stadt Castres, die bei den Papierveredlern für die hohe Qualität ihres Papiers bekannt und geschätzt war. Das in Perpignan aromatisierte Papier, das die Grundlage der Marke JOB bildet, war entweder weiss oder gelb, wobei die Gelbfärbung auf den Zusatz von Lakritze zurückzuführen war.

Das erfolgreiche Patent beruhte hauptsächlich auf der Form und der Verpackung des Endprodukts und sich auf «das Schneiden des Blattes, sein Einlegen in Hefte» bezog. Die Papierblätter wurden auf ein Format von 7,5 cm x 4 cm zugeschnitten und zu schmucken Heften mit 120 bis 150 Blättern zusammengefasst.

Es befasste sich auch mit «der Vorbereitung des Umschlags, der Herstellung der Verschlusskordel, dem Einlegen, der Herstellung der Schachteln», Merkmale, die damals noch wenig oder keine Beachtung fanden.

Das «erste Markenzeichen», also «der erste Umschlag eines Zigarettenpapierheftchens», bestand aus einem grafischen Träger (die Verpackung), welcher auf braunem Grund gedruckt ist und auf der einen Seite aus goldenen Mustern und Streifen, auf der anderen Seite aus den Initialen J.B. – welche durch einen hochgestellten Rhombus getrennt sind ­– und so noch heute die Bild- und Wortmarke JOB bilden.

Da der Rhombus (ein Bestandteil des Wappens von Perpignan) sich in der Grösse und Strichstärke nicht von den Initialen JB unterschied, wurde sie als grafisch abgewandeltes O wahrgenommen und in der Folge als JOB ausgesprochen. Dies hatte zur Folge, dass sich Jean Bardou so stark mit seiner Marke identifizierte, dass er sich später Bardou-Job als Familiennamen eintragen liess.

Sehr viel Sorgfalt wurde auf die Verarbeitung der Verpackung gelegt. Die Hefte oder «Livrets-portefeuilles» sind «umhüllend» und werden mit einem rosafarbenen Band verschlossen. Die hygienisch Endverpackung erfolgt in hermetisch mit rotem Wachs versiegelten Schachteln, die für den staubigen Transport mit der Postkutsche geeignet waren.

In den Jahren 1893-1894 wurde die Marke JOB in Österreich-Ungarn und Bulgarien eingetragen. Im Jahr 1900 produziert JOB für Frankreich und den Export pro Tag bis zu 350’000 Hefte Zigarettenpapier. Dank ihres Exportpotenzials überstand die JOB auch schwierige Zeiten. Von 1889 bis 1900 werden auf großen Ausstellungen 520 Medaillen und Diplome gewonnen.

Cigarettes JOB Maryland | links: Emailleschild | rechts: Poster
Mit fertigen Zigaretten erweitert JOB vor dem 1. Weltkrieg das Angebot: links: Cigarette JOB No 3 | rechts: JOB Sélection Exotique

Vor dem Ersten Weltkrieg entschloss sich das Unternehmen auch den wachsenden Markt für «fertige» Zigaretten zu bedienen. Da das Tabakmonopol in Frankreich es aber nicht erlaubte, dies auf französischem Boden auszuüben, werden erste Manufakturen im Ausland oder in den französischen Überseegebieten, die in dieser Hinsicht einen Sonderstatus genossen, gegründet. Diese wurden in London, Straßburg, das damals zum Deutschen Reich gehörte, Zürich und Algier, wo Hiob-Zigaretten bereits seit 1908 verkauft wurden, gegründet.

Cigarettes JOB Floréal | Es scheint, als wurde der Herstellungsstandort GENEVE auf der Innenseite nachträglich eingeklebt. Es ist anzunehmen, dass dieser erst nach der Produktion der Verpackung gegründet wurde.

LE NIL – eine weitere Bardou Erfolgsgeschichte

Joseph, der ältere Sohn von Jean Bardou, gründete 1849 ebenfalls eine eigene Werkstatt zur Herstellung von Zigarettenpapier mit den Marken «Papier Bardou» und «Riz Bardou». Um sich von den Produkten seines Vaters und später auch seines Bruders zu unterscheiden, zeichnete er seine Produkte mit Unterschrift «JH Bardou». Der Umstand, dass er bereits kurze Zeit nach deren Gründung von JOB, an deren Entstehung er ja massgeblich beteiligt war, könnte auf gewisse Differenzen schliessen lassen. Da er bei der Verpackung das gleiche Design wie JOB verwendete, ist anzunehmen, dass auch er die Rechte daran besass. Für die hohe Qualität seines Zigarettenpapiers erhielt er ab 1855 an Ausstellungen verschiedene Auszeichnungen.

Je ne fume que LE NIL | Ich rauche nur LE NIL

Etwas später sprangen auch die Papierfabriken Lacroix mit ihren Produkten auf. Es begann damit, dass Joseph Bardou 1880 für sich bei Lacroix aus dem Département Charente Zigarettenpapier herstellen liess. 1885 gründete sein Sohn Eugène Bardou eine Kommanditgesellschaft, an welcher Adolphe Lacroix und die Papierfabrik JH Bardou et fils beteiligt waren.

Die LE NIL Zigarettenpapier-Verpackung, ein identisches «Livrets-portefeuilles» wie bei JOB

Am 13. Mai 1887 wurde beim Handelsgericht von Perpignan «Le Nil» die Marke mit dem lachenden Elefanten eingetragen. Die Idee zum Namen «Le Nil» stammt daher, dass Lacroix bereits ab den 1870er-Jahren einen grossen Teil seiner Zigarettenpapier-Produkte in den Nahen Osten und insbesondere nach Ägypten exportierte. Im Jahre 1918 wurde Lacroix von Joseph Bardou et fils dann ganz übernommen.

«Le Nil» – die Marke mit dem lachenden Elefanten.

Le Nil Joseph Bardou & Fils | links: Verpackung Zigaretten-Papier | recht: Poster für Verkaufspunkte
LE NIL Verpackung | vermutlich für den Exportmarkt Ägypten

LE NIL – die Marke mit dem lachenden Elefanten. In dieser Zeit befand man sich in einer ausgesprochenen «Ägyptomania-Phase», so lag es nahe, dass das Verlangen der Kunden nach exotischem, damit äusserst gut angesprochen und befriedigen werden konnte. Warum aber ein Elefant als «Markensymbol»? Vielleicht weil er als kräftig und robust gilt, was doch eine hervorragende Eigenschaft für ein Qualitäts-Zigarettenpapier ist! Honi soit qui mal y pense – Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Aber die Idee ist bei «La Vache qui rit» doch arg ähnlich umgesetzt.

Eine Ausstellung von Tabakwerbeplakaten im Papiermuseum in Angoulême:

Ausstellung | Exposition d’affiches sur le tabac | Musée du papier Angoulême:

Im Jahr 1912 wird der lachende Elefant vom Plakatkünstler Leonetto Cappiello mit dem Slogan «Je fume que Le Nil» neu gestaltet.

Joseph Bardou & Fils | links: Produktion Le Nil in Perpignan | Mitte: LE NIL Werbeplakat | rechts: Produktionstandorte Perpignan & Angouléme

Quellen: Diverse, Internet

JOB BLEU NACRE

JOB bleu nacré. Länge: 80mm. Durchmesser 8mm. Teer: 21mg. Nikotin: 1,5mg.

Speziell an dieser Zigarette ist das pergamentartige (nacré) Mundstück, daran bleiben die Lippen garantiert nicht kleben. Leider sieht die Packung aus wie wenn ich sie eben aus der Hosentasche gezogen hätte – eine echte „Arbeiterzigarette“. Entsprechend stark und „trocken“ ist auch ihr Geschmack. Erstaunlich gut erhalten sind dafür die Zigaretten!

Hergestellt unter Lizenz bei Ed Laurens S.A. Genève. Preis: CHF 2.30.

Heute ist JOB für Zigarettenpapier bekannt, zurückzuführen auf die aus dem Jahre 1838 stammende Geschäftsidee des Gründers Jean Bardou.

Job Bleu Nacre1Job Bleu Nacre2

Job Bleu Nacre4

Mit dem nacré Mundstück wurde ein anderer/neuer Ansatz als die bekannte, aber sicher kostspieligere Cork Tipped-Lösung gefunden.

Weitere von JOB hergestellte Zigaretten

Mehr über zwei ganz grosse französische Zigarettenpapierhersteller findet ihr hier auf smokerscult.

Mit fertigen Zigaretten erweitert JOB vor dem 1. Weltkrieg das Angebot: links: Cigarette JOB No 3 | rechts: JOB Sélection Exotique
Cigarettes JOB Floréal | Es schein, als wäre der Herstellungsstandort GENEVE nachträglich eingeklebt worden zu sein. Vermutlich wurde dieser erst nach der Produktion der Verpackung gegründet.

Senior Service

Senior Service war eine typisch britische filterlose Virginia Zigarette. Die Marke wurde nach dem Spitznamen der Royal Navy benannt. Senior Service war eine der teuersten und exklusivsten Marken, die es zu kaufen gab. 2020 wurde die Produktion im Vereinigten Königreich eingestellt.

Packung: 83x73x18 | Zigaretten: Länge 70mm, Durchmesser 8mm. | Teer: 14mg. Nikotin: 1.2 mg

Geschichte Senior Service wurde 1925 von «J.A. Pattreiouex Ltd» auf den Markt gebracht. Das Unternehmen wurde später von der Gallaher Group – später eine Tochtergesellschaft von Japan Tobacco – aufgekauft.

Schuberlasche oben: Seniors – Tobacco at its Best | Lasche unten: Tobacco at its Best
Oben rechts: Schuber Rückseite

1938 gab die J. A. Pattreioux Ltd. ein erstes 48-teiliges Set von «Flying»-Fotokarten heraus, welche mit den Zigaretten vertrieben wurden. Viele weitere Serien wurden in den folgenden Jahren aufgelegt. Solche Sammelkarten und die dazugehörenden Alben zum Einkleben mit unterschiedlichen Themen waren auch bei anderen Zigarettenmarken ein beliebtes Marketing-Instrument.

Sammelkarten mit unterschiedlichen Themen waren bei den Käufern beliebt

1999 wurde die Senior Service Zigarettenfabrik an der Ashton Road, Hyde, in Manchester nach 39 Jahren geschlossen und im Jahr 2011 abgerissen. Sie war 1905 ursprünglich als Baumwollspinnerei unter dem Namen Hyde Spinning Mill eröffnet worden. J. A. Pattreiouex kaufte sie 1960 und produzierte im Jahr 1996 täglich bis zu 10’000 Zigaretten. In Tameside war die Fabrik einst der größte Arbeitgeber. 1999 wurde die Fabrik geschlossen und die Produktion nach Nordirland verlagert.

Senior Service wurde hauptsächlich im Vereinigten Königreich, aber auch in Belgien, den Niederlanden, Deutschland, Italien, Griechenland, Zypern und Südafrika verkauft.

Werbung – auch 1954 noch immer stark vom 2. Weltkrieg geprägt

Einer der beliebtesten Slogans der Marke: «Senior Service Satisfy».

Verpackung Die ursprüngliche Packung war vorwiegend in weiss und dunkelblau gehalten. Zwei Möwen flankierten im blauen Band das mittig platzierte Senior Service Markenlogo, dass ein Segelschiff umrandet mit zwei stilisierten Olivenzweigen und einer Krone mit zwei Segeln an der Spitze zeigt. Als weitere Deko-Elemente waren Perlenketten um die Packung gezogen. Diese sowie das Logo waren teilweise von einer hellblauen Aura umgeben.

Bei der Neugestaltung der Packung wurde auf die Möwen und das Perlenelement verzichtet, an deren Stelle wurde ein goldener Streifen in das blaue Band eingefügt, was der Marke eine höhere Wertigkeit vermittelte.

Senior Service Plain | Teer: 31mg. Nikotin: 1.9 mg (Werte 1973)
Die abgebildete Zigarettenpackung für Armeeangehörige waren mit «NAAFI Stores for H.M. Forces» gekennzeichnet.

Auf den beiden Laschen des Schubers steht oben und unten «Seniors – Tobacco at ist Best», auf der Rückseite «The Perfection of Cigarette Luxury». Auf der oben abgebildeten WW2 Packung für Armeeangehörige steht «A Product of the Master Mind».

Plain und Cork Tipped – eine Exklusivität die anscheinend kein grosser Erfolg wurde

Eine seltene Blechdose | Senior Service filterlose Cork Tipped Zigaretten | (siehe Beitrag zu Craven „A“)

Senior Service ist Kult

Film, Musik, Roman Im Film «I Hired a Contract Killer» (1990) von Aki Kaurismakis erscheint Senior Service auf der Leinwand: (Timecode 28.00) https://www.dailymotion.com/video/x7or0in

Elvis Costello schrieb 1979 einen Song mit dem Titel «Senior Service». Er ist mit vielen Anspielungen zum Thema Rauchen gespickt: https://www.youtube.com/watch?v=k9XsOvY44mo

James Bond geniesst in Ian Flemings Romanen Goldfinger, Thunderball, The Spy Who Loved Me und The Man with the Golden Gun Senior Service Zigaretten.

Wanddekoration, Gips ca. 36 cm hoch, handbemalt. Ursprünglich steckte im Mundwinkel eine Zigarette.

Quellen: Internet, Manchester Evening News u. a. m.

Player’s Navy Cut

Player’s Navy Cut ist eine Zigaretten- und Pfeifentabakmarke, welche von John Player & Sons (später Imperial Brands), in Nottingham, England hergestellt wurde. Die Navy Cut Zigaretten waren Ende des 19. bis Mitte 60er-Jahre des 20. Jahrhunderts in Grossbritannien und Deutschland sehr beliebt. Sie wurden auch in den Vereinigten Staaten hergestellt. Die Packung ziert ein Rettungsring mit dem unverwechselbaren Portrait eines Matrosen mit Mütze.

PLAYER’S NAVY CUT MEDIUM  |  Hier zwei Packungen aus unterschiedlichen Epochen. Beide sind noch cellophaniert.

Bild 1 oben: Cigarettes Made in England aus den 50er-Jahren. Unten: Packung aus den 60er-Jahren, eine Lizenzherstellung. 

Packung England: 87x75x19mm  |  Format Zigarette: Länge 70mm, Durchmesser 8mm  |  Teer: 27 mg. Nikotin: 1.7 mg. / Quelle 1973

Packung Schweiz: 89x72x18mm  |  teilweise geprägt  |  Format Zigarette: Länge 70mm, Durchmesser 8mm.  | Teer: 15 mg. Nikotin: 1,4 mg.  |  Preis Fr. 3.70

Player's Navy Cut

Oben: Packung aus den 50er-Jahre, England | Unten: Packung 60er-Jahre, Schweiz

Player's Navy Cut 2

Die Schweizer Packung ist etwas weniger Hoch | Player’s im blauen Band und der Matrose ist geprägt

Player's Navy Cut 3Player's Navy Cut 4Player's Navy Cut 7Player's Navy Cut 8

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Leider hat Feuchtigkeit die Zigaretten ungeniessbar gemacht

Player's Navy Cut 11

Player's Navy Cut 9

Wir sind Stolz: It’s the tobacco that counts | …from the FINEST VIRGINA TOBACCOS | Each cigarette is stamped – PLAYER’S „MEDIUM“ NAVY CUT

Der Begriff «Navy Cut» geht laut Player & Sons auf Gewohnheit der Matrosen zurück, eine Mischung verschiedener Tabakblättern mit Schnur zusammenzubinden und gepresst zu lagern. Der Tabak reifte unter Deck während der Seereise und wurde durch Abschneiden von Portionen geraucht.

 

PLAYER’S NAVY CUT MEDIUM  |  60er-Jahre  

Player's Navy Cut 13

Vorne rechts: Packung aus den 60er-Jahren, Schweiz

Player's Navy Cut 17

Player's Navy Cut 19

Praktisch, 2 x 10 Zigaretten

Player's Navy Cut 23Player's Navy Cut 21

Player's Navy Cut 22

Die Navy Cut’s sind in einem perfekten Zustand – LET’S TASTE! 

Player's Navy Cut 18

Verpackung  Zu Beginn wurden die Navy Cut Zigaretten in Dosen angeboten, weniger vermögende Raucher kauften Tabak in kleinen Mengen nach Gewicht und Zigarettenpapier zum Selbstdrehen. Später wurden die Zigaretten in Schiebepackungen aus Karton angeboten. In den 1970er-Jahren wurden zum Beispiel die Player’s No. 6 im Softpack (siehe Blogbeitrag) angeboten.

Branding & Vermarktung  Das Bild des Matrosen wurde 1883 erstmals verwendet, etwa fünf Jahre später kam der Rettungsring dazu. Die Kombination dieser beiden eigenständigen Markenzeichen, dem Rettungsring mit dem Schriftzug «Player’s Navy Cut» und dem bärtigen Matrosen, wurde 1893 als Marke eingetragen. 

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Oben links ein weiteres Branding-Merkmal von Player’s Navy Cut, das Nottingham Castle – es ist ein fester Bestandteil der Packungsrückseite.

Hinter dem Matrosen sind zwei Schiffe abgebildet. Bei dem linken Schiff soll es sich gesichert es um die HMS Britannia handeln, bei dem rechten um die HMS Dreadnought oder dem Zerstörer HMS Hero. Vermutlich sollte die Verwendung des Namens «Hero» auf der Mütze traditionelle britische Werte bespielen. Möglicherweise ein Nachteil bei der weiblichen Zielgruppe, sprach dieses männliche Wertebild Frauen – die zu dieser Zeit längst auch als substanzielle Zielgruppe galten – weniger an. Ein klares Qualitätsversprechen fand sich auf der Innenseite der Packung, es lautete «It’s the tobacco that counts» (Es ist der Tabak, der zählt) ein Werbeslogan hiess schlicht «Player’s Please». 

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Im Laufe der Zeit änderte sich das Bild des Matrosen in der Werbung, mal trug er einen Bart, mal war er glattrasiert und auch Frauen nahmen seine Rolle ein.

Als Teil einer 1927 eingesetzten Werbekampagne gab John Player & Sons bei Arthur David McCormick ein Ölgemälde mit dem Titel «Head of a Sailor» in Auftrag.

McCormick, Arthur David, 1860-1943; Head of a Sailor

Arthur David McCormick 1860-1943  |  Head of a Sailor 1927  (In der Werbung wurden unterschiedliche Schiffsnamen auf der Mütze verwendet: HMS Excellent, HMS Invincible. Auf dem Logo hingegen ausschliesslich Hero)

Als geschickter Vermarkter liess John Player eine Zeichnung von Nottingham Castle registrieren, die noch bis in die 1970er-Jahre auf Pfeifentabakdosen und Zigarettenpackungen zu sehen war.

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John Player der erfolgreiche Unternehmer  Die Player’s Medium Navy Cut war die mit Abstand beliebteste der drei Navy Cut-Marken (es gab auch Mild und Gold Leaf). Unglaubliche zwei Drittel aller in Großbritannien verkauften Zigaretten waren Players, und zwei Drittel davon waren Medium Navy Cut. Im Jahr 1937 verkaufte Players fast 3,5 Millionen Zigaretten (davon alleine 1,34 Millionen in London). Die Marke war vor allem in der Mittelschicht und in Südengland beliebt. Im Norden wurde sie zwar auch geraucht, aber andere Marken waren dort beliebter. Die Herstellung von Player’s Navi Cut wurde 2016 im Vereinigten Königreich eingestellt.

James Bond 007 im Auftrag von John Player & Sons  Anlässlich des Kinostarts von Thunderball im Jahr 1965 brachte Pan Books eine Sonderausgabe von Ian Flemings Roman als Taschenbuch heraus. Als Besonderheit lag einigen Büchern der 14. Auflage ein Werbeartikel für Players Zigaretten bei. Dieser war als Liebesbrief getarnt. Domino, die Heldin des Abenteuers, erzählt in diesem Brief an Bond von einem Ereignis. Im Roman lädt Bond Largos «Nichte» Domino zum Abendessen ein. Während diesem erzählt Domino Bond von ihrer ersten und wahren Liebe­ – dem Matrosen von Player’s Navy Cut.                              Im P. S. gibt es einen Seitenverweis zu der Stelle im Buch, an der die Geschichte vorkommt.                                                                                                                                   

Von der Sonderausgabe sind und nur wenige Exemplare inkl. Briefe erhalten, unter Bond Sammlern sind sie sehr gesucht.

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Rare edition of the Thunderball film Tie-in paperback that came with a promotional letter written by Domino to James Bond (Pan, UK, 1956)

Die Geschichte der Zigarettenfabrik  John Player, ursprünglich aus Saffron Waldon in Essex stammend, kam 1860 nach Nottingham um mit dem Handel von Spitzen sein Geld zu machen. Als Mann mit besonderem Flair für Handel und Kundenwünsche, merkte er rasch wie gut seine Passion für feine Tabakmischungen, welche er zu Beginn nur nebenbei anbot, bei seinen Kunden ankam.

John Player's factory in Broadmarsh

Das Geschäft in seinem kleinen Laden in Beastmarket Hill florierte prächtig. Im Jahr 1877 konnte er das alteingesessene Geschäft von Joseph Wright in Broadmarsh kaufen und bot fertig abgepackte Zigaretten und Tabake unter der Marke «Castle Tobacco Factory» an. Diese waren bereits als erkennbaren Marke gekennzeichnet, die Erfolgsgeschichte der Marke John Player nahm Fahrt auf.

John-Player-Sons-Tobacco-Tin-Castle-Factory

Dass John Player ein geschickter Vermarkter war, beweist, dass er eine Zeichnung von Nottingham Castle als Trade Mark registrieren liess und bis in die 1970er-Jahre auf Pfeifentabakdosen und Zigarettenpackungen zu sehen war.

Die Marketingmethoden und die Verkäufe des Unternehmens waren so erfolgreich, dass John Player ein großes Gelände in Radford kaufen konnte. Im Jahr 1880 war es ein noch weitgehend unerschlossenes Gebiet. Mit grosser Voraussicht und unternehmerischen Risiko baute John Player gleich drei Fabrikgebäude, die den Kern der 30 Hektar umfassenden Fabriken und Büros bildeten.

Player's Castle Factory Radford

In den 1900er Jahren setzte sich die Expansion stetig fort. Mit 11’000 Beschäftigten wurde der Standort Radford zu einer der größten Tabakfabriken der Welt

1932 wurde die architektonsch markante Fabrik Nr. 2 am Radford Boulevard eröffnet. Da Player für die Tabak- und Zigarettenproduktion bei der Fertigstellung vorerst erst ein Gebäudeblock benötigt wurde, vermietete Player die anderen beiden an Klöpplerinnen.

1884 ereilte John Player eine Hiobsbotschaft, die Diagnose, unheilbarer Krebs. Er entschloss sich nach Bournemouth zu gehen, um dort seine verbleibenden Tage zu verbringen, er starb bereits im Alter von nur 45 Jahren. Da nach Player’s Tod seine beiden Söhne noch zu jung waren, übernahmen einige seiner engsten Freunde für neun Jahre die Leitung des Unternehmens. Nach dieser Übergangszeit führten John Dane und William Goodacre Player, die erfolgreiche Geschichte des Unternehmens weiter. Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs wuchs Player’s in Radford weiter und erreichte 1914 eine Mitarbeiterzahl von 2’500 Personen.

Player’s hatten den Ruf, ein aufgeklärter Arbeitgeber zu sein, und begannen 1910 damit, jedem  Mitarbeitenden einen jährlichen Bonus zu zahlen. 1922 wurde der bezahlte Urlaub eingeführt. Das Unternehmen war für seine guten Löhne und hervorragenden Arbeitsbedingungen bekannt.

John Dane starb 1950 im Alter von 85 Jahren, sein Bruder William 1959 im Alter von 93 Jahren. Sie hinterliessen ein riesiges Vermögen: John Danes Nachlass belief sich auf über 2,5 Millionen Pfund (heute rund 47 Millionen Pfund).

John Player & Sons war im letzten Jahrhundert eines der größten und wichtigsten Unternehmen in Nottingham und beschäftigten in der Blütezeit der späten 1950er-Jahre 11.000 Mitarbeiter, diese stellte 15 Pfeifentabak- und 11 Zigarettenmarken her.

Im Jahr 1986 wurde es von Hanson PLC übernommen und zog von seinem Standort in Radford in die neue Horizon-Fabrik im Lenton Industrial Estate um. Für den Erwerb der Imperial Tobacco Group bezahlte Hanson 2,5 Milliarden Pfund und reorganisierte die Gruppe neu.

Die alten Player Fabriken Nr. 2, 3 und 4 in Radford sowie das Personalgebäude wurden abgerissen um Raum für ein neues Gewerbegebiet zu schaffen.

Quelle: u. a. nottinghampost 

 

SCHWARZ UND GOLD – die Geschichte von JPS

Black & Gold – The Story of the John Player Specials. So lautet der Titel für ein wunderbares Buch über die brillante Ära des F1 Team Lotus.

Bild: Petrolicious

Zu diesem Anlass wurden 15 JPS Team Lotus F1 Autos vor der Classic Team Lotus Werkstatt in Hethel aufgereiht.  Die Autos gehören Kunden des Classic Team Lotus und der Chapman Family Collection. Es ist eine einmalige Zusammenkunft von Black & Gold. Rennboliden, die von Legenden wie Emerson Fittipaldi, Ronnie Peterson, Nigel Mansell oder Ayrton Senna stets am Limit über die Rennstrecken pilotiert wurden.

In den späten 1960er-Jahren nahm die Kommerzialisierung des Motorsports stark zu. Grosse Sponsoren tauchten in der Formel 1 auf, darunter die Tabakriesen Marlboro und Yardley Cosmetics. Colin Chapmans Lotus Team fuhr für John Player viele Jahre in der Gold Leaf Navy Cut Lackierung und ab 1972 in den Black & Gold Farben der Zigarettenmarke John Player Special.

Christchurch, Jim Clark im Gold Leaf Team Lotus 49 | Das Navy Cut Logo wurde kurz darauf durch den Union Jack ersetzt.

Colin Chapman, ein Genie und Vordenker im Rennsport wie auch bei der radikalen Umsetzung von Leichtbauweise bei vielen Strassen-Ikonen von Lotus. Auch beim Sponsoring des Grand-Prix-Rennsports änderte er die Regeln unwiderruflich, er wählte für die Lackierung die Farben von Player’s, Gold Leaf. Das Logo zierte die Flanken des Lotus 49, dessen neue Lackierung im Mai 1968 beim Grossen Preis von Spanien Premiere feierte. Es war das erste Mal, dass ein Auto seine damals im Rennsport üblichen Nationalfarben (British Racing Green) zugunsten der Farben eines Sponsors ablegte: Weiss, Gold und Rot, eine Ikone war geboren.

Links: Pfeifentabak-Dose 30er-Jahren | Rechts: Zigarettenschachtel 60er-Jahre

Imperial Tobacco, das Player’s gekauft hatte, war mit dieser Idee an Chapman herangetreten. Unter dem JPS-Projektleiter George Hadfield, wollte der Tabakkonzern einen Marketing-Meilenstein setzen. Gold Leaf war eine Zigarette der gehobenen Klasse, edler als Navy Cut, und das Team Lotus verfügte als Innovator genau die Plattform, die JPS aufmerksamkeitsstark einem grossen internationalen Publikum näher bringen konnte.

Das Sponsoring mit Gold Leaf dauerte bis 1972. Der legendäre 49er machte nach zwei erfolglosen Neuentwicklungen – dem turbinengetriebenen Typ 56B und dem Typ 63 mit Allradantrieb – Platz für den Lotus 72 (Design Maurice Philippe). Es sollte in bahnbrechendes Lotus-Design sein, das bereits in der ersten Saison 1970 mit einem Weltmeistertitel gekrönt wurde und Jochen Rindts grandioses Können unter Beweis stellte. Tragisch – Rindt konnte seinen WM-Titel nicht mehr feiern, er verstarb beim Samstagstraining in Monza.

1972 wurden zwei Legende geboren – der schwarz/goldene Lotus 72 und die exklusive Zigarettenmarke John Player Special oder kurz JPS.

Sieger Ayrton Senna beim GP von Spanien in Jerez 1986 mit 0,014 Sekunden Abstand vor Nigel Mansell

Imperial Tobacco entwickelte aus taktischen Überlegungen mit JPS eine Marke, die vom Design perfekt zum Lotus 72 passte. Auf diese Weise konnte man die zunehmend strengeren Vorschriften für Zigarettenwerbung umgehen, denn viele Ländern hatten bereits restriktive Werbeeinschränkungen angekündigt. Der Namen JPS soll gewählt worden sein, weil er wie ein Kürzel für einen Rennsport-Prototypen klang. JPS, Silk Cut – für Nichtraucher klangen diese Namen nicht nach Zigaretten.

Collin Chapman mit Lotus Esprit 1978

Der Lotus 72 war das F1 Auto, dass die erste Hälfte der 1970er-Jahre prägte. Das liegt daran, dass er in 6 Saisons an 74 WM-Rennen teilgenommen hat und dabei eine Erfolgsbilanz von 20 Grand-Prix-Siege, 2 Fahrermeisterschaften und 3 Konstrukteurstitel aufweist.

John Player King Size 1982 Ireland

Turmac Bleu & Brun

Turmac Bleu. Schweizer Zigarette mit klassischer orientalischer Tabakmischung. Der Name Turmac steht für «Turkish-Macedonian Tobacco Co». Gegründet 1920 von Robert Burrus. Die Fabrik befand sich ab 1934 an der Friesstrasse 32-34 in Zürch-Seebach.

Format: oval. Teer: 28mg. Nikotin: 1.8mg. Preis: CHF 2.70.

Turmac bleu

Dieses guterhaltene Päckchen ist noch mit der Cellophanhülle versehen. Zu einem späteren Zeitpunkt werde ich es öffnen und eine Zigarette geniessen.

Turmac in der Schweiz

Der Orient beginnt in Zürich-Seebach. Im selben Jahr wie Kiazim Emin Bey und Willem Carel Buschhammer im niederländischen Zevenaar die Tabakfirma Turkish-Macedonian Tobacco Company gründeten, kaufte Robert Burrus, ein Spross der Tabak-Dynastie Burrus, im Zürcher Seebach-Quartier eine leer stehende Fabrikliegenschaft. Dort richtete er eine Zigarettenfabrik ein und begann für Emin Bey Zigaretten mit Tabak aus der Türkei und Mazedonien herzustellen.

Zwischen 1930 und 1950 blühte das Geschäft: Die Fabrikliegenschaft musste laufend erweitert und im Verlauf der Jahre um zwei Stockwerke erhöht werden. Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieg beherrschten Orienttabake den Zigarettenmarkt. Sinnbildlich hierfür ist ein Werbeplakat aus den 1940er-Jahren, das einen Schweizer Grenzsoldaten in einer Winterlandschaft zeigte und mit dem Spruch «Schenk ihm TURMAC» für die Zigarettenmarke warb. Mit dem Ende des Krieges setzte sich schliesslich die mildere amerikanische Tabakmischung (American Blend) durch. Befeuert wurde dieser Trend durch die in Europa stationierten GI’s, die Lucky Strike mitbrachten. Die Folge, der Produktionsanteil an türkisch-mazedonischen Zigaretten nahmen laufend ab.

Um die Umsatzeinbussen auszugleichen, produzierte man in den 1960er-Jahren zunehmend auch andere Zigarettenmarken wie «Parisienne», «Brunette» oder «Mary Long», welche man von Burrus Konzerntöchtern übernahm. 1972 wurde die Produktion in Zürich Seebach eingestellt.

Quellen: Mounir Badran  |  seebach.ch/p/infoseld.php?id=3431


Turmac Brun

Eine sehr gut erhaltene Schachtel Turmac Brun. Die Zigaretten weisen einen kleinen Wasserschaden auf, in der Nase duften sie noch immer herrlich süsslich. Stammt vermutlich aus den 40er / 50er Jahre.

Packung Karton: 90x77x18mm  |  Format Zigarette: oval, Länge 74mm, Durchmesser 12mm.

Herzlichen Dank an Simon, welcher mir die Schachten für diesen Beitrag zur Verfügung gestellt hat!

Zigaretten aus Zürch – Seebach.  Turmac 4  |  Turmac Bleu  |  Turmac Bouquet  |  Turmac Brun  |  Turmac Nestor  |  Turmac Orange  |  Turmac Reginaris  |  Turmac Rot  |  Turmac Rouge  |  Turmac Vert |  Minaret  |  Ramada  |  Reginaris  |  Serdar


Turmac in Holland

Zu Beginn schien die Herstellung von Zigaretten in Zevenaar unter einem  ungünstigen Stern zu stehen. Die Versuche von Tabakhändler Willem Carel Buschhammer, Zigaretten aus holländischem Tabakanbau herzustellen, drohten bereits in Rauch aufzugehen. Die Wende kam mit Kiazim Emin Bey, der wie ein Scheich aus einer Episode aus Scheherazades «1001 Nacht» mit eigenem Eisenbahnwaggon, umgeben von zahllosen Dienern und zigarettenrauchenden Haremsdamen, in Zevenaar einrollte. Mit Kiazim aus dem schweizerischen St. Moritz*, änderte sich dann die Ausgangslage dann schlagartig, denn in seinem Gepäck brachte der türkische Besucher hochwertige mazedonische und türkische Tabake mit. Diese verhalfen den Zigaretten Made in Zevenaar zu ihrer exotischen Note und zum grossen Erfolg.

Den Erfolg vor Augen gründeten Willem Buschhammer und Kiazim Emin Bey 1920 die Tabakfabrik «Turkish-Macedonian Tobacco Company». Aus dem Kürzel entstand der Name Turmac. Es sollte ein erfolgreiches Unternehmen entstehen, das bis nach der Jahrhundertwende Zevenaars wichtigster Arbeitgeber bleiben sollte.

Zevenaar-Turmac-fabriek-collectie-Disberg

Auf Verpackung und Werbung wurde bei Turmac grossen Wert gelegt. Spezielle Zigarettenschachteln (zuerst Blechdosen, später aus Karton) mit orientalischen Ornamenten in unterschiedlichen Farben zur Differenzierung der verschiedenen Sorten wurden geschaffen. Ein Teil ist heute im historischen Museum Deventer zu sehen.

Der Verkaufszahlen von Turmac gingen Ende 1950er-Jahre stark zurück, der Vormarsch der amerikanischen Zigaretten war unaufhaltsam, der Geschmack der Raucher hatte sich verändert, dies nicht zuletzt durch den American Way of Life.

Bereits 1960 liefen die letzten holländischen Turmac Zigaretten vom Band. Um den Fortbestand der Fabrik und Arbeitsplätze zu sichern, begann man für andere Hersteller in Lizenz für den europäischen Markt zu produzieren, zunächst für Rothmans, später für die British American Tobacco Manufacturing Company (BAT). 2008 wurde dann die Ära «Zigaretten aus Zevenaar» besiegelt, die Fabrik geschlossen.

Die Kunstsammlung. Ab 1960 produzierte Turmac die Marke Peter Stuyvesant. Der damalige Direktor Alexander Orlow begann Kunst zu sammeln. Um die Monotonie der Arbeit zu durchbrechen, wurden an den Arbeitsplätzen Werken moderner Künstler wie Karel Appel, Armando und Corneille aufgehängt. Auf diesem Weg entstand die weltberühmte Peter-Stuyvesant-Sammlung.

Turmac’s neue Zukunft als Rathaus von Zevenaar. 2013 beschloss der Stadtrat von Zevenaar das neue Rathaus in der ehemaligen Zigarettenfabrik zu errichten. 2019 wurden mit Ausnahme von Haus 15 und Haus 24 die anderen Gebäude abgerissen, um neuen Wohnraum zu schaffen. Ein Teil der historischen Turmac Fabrik wurde als «Nachkriegs-Baudenkmal mit Symbolcharakter in die sogenannten «Top 100 Dutch Monuments 1940-1958» aufgenommen.

*Quelle: Rien van den Heuvel für das Liemers-Museum https://www.liemersverleden.nl/streekarchivariaat-de-liemers-en-doesburg/zevenaar/historie-zevenaar/abc-zevenaar/turmac-bat-sigarettenfabriek/

Craven „A“ | Cork Tipped

CRAVEN „A“ Cork Tipped. Endlich ist es so weit, eine meiner absolut bevorzugten Zigarette ist nach langer intensiver Suche dank Thomas in meinen Besitz gelangt. Und das gleich 3 Mal. Akkurat und original in Zellophan verpackt, mit perfekt erhaltenem Inhalt, aufgestöbert wurden sie in Spanien. Einen grossen Dank an den der sucht und findet!

Lange hatte ich sie gesucht, meine letzte Schachtel kaufte ich 2006 in Saint-Tropez während eines Urlaubs. Davon existier sogar noch ein Foto (weiter unten). Nur ist da bereits schön länger der grosse kleine Unterschied zum «Original» zu sehen. Denn früher waren die „A“ noch wirklich echt «Cork Tipped».

Cork Tipped? Was heisst das denn? Wer wie ich die Gnade des «früher geborenen» hat, erinnert sich vielleicht noch, wobei, in den 70er Jahren war das die einzige Marke, die mir bekannt war, welche wirklich Cork Tipped war. Aber fast alle klassischen Filterzigaretten besassen dieses beige-orangen, mit hellen Sprenkeln durchsetzte Filterpapier. Warum aber dieses Muster und diese Farbe? Die Erklärung ist einfach, es wollte die gelernte, ursprünglich mit einer hauchdünnen Schicht von echtem Kork überzogene Mundspitze nachahmen.

Craven A Cork Tipped

Masse Zigarette: Länge: 72mm, Durchmesse 7mm, Korkstreifen 11mm. Packung: 85x75x18mm

Craven A Cork Tipped

Der Reihe nach: Habt Ihr schon mal eine Zigarette ohne Filter geraucht? Vielleicht eine Gauloise bleu, eine Parisienne carré, eine Player’s Navy Cut oder ne Roth-Händle? Genau – da war nicht nur dieser tolle unverfälschte starke Geschmack von Tabak, sondern als Zugabe gleich noch ein paar Krümel Tabak auf der Zunge. Diese konnte man entweder mit Daumen und Zeigefinger entfernen (dezent-elegant) oder mit zugespitzte Zunge, untermalt mit mehreren kurzen Pfütt-Pfütt-Lauten ausspucken (einiges weniger elegant). Noch viel weniger angenehm war aber der Umstand, dass regelmässig Zigarettenpapier an den feuchten Lippe in inniger Verbundenheit kleben blieben.

Etwas Geschichte – die Zigarette erobert die Welt: Erst ab ca. 1830 wurde die «Cigarette» – also das Rauchen von Tabak, zuerst in Blätter gerollt, später auch in dünnem Papier, in Frankreich populär (andere Quellen schreiben die Zigarette den Spaniern zu, dort «Papelate» genannt). Dies als Alternative zum bis dahin bekannten Pfeifenrauchen oder Snuff. Um 1860 brachten britische Kolonialisten und Soldaten bei ihrer Heimkehr fremde, exotisch duftende Tabake aus fernen Ländern nach Hause. Das Rauchen und der Duft exotischer Zigaretten wurden rasch Mode.

Die ersten Zigaretten waren ursprünglich alle filterlos (Plain) und das Mundende nicht umhüllt (Tipped). Mit dem Aufkommen Türkischer, Ägyptischer und Russischer Zigaretten kam auch ein neuer Trend – Gold Tip. Bei diesen hochpreisigen Zigaretten war das Ende der Zigarette mit einem echten Band Blattgold überzogen. Die Zeit als die Lippen des Rauchers auf am Zigarettenpapier klebten, waren vorbei – zumindest für die wohlhabenden Zeitgeister. Später folgte die Einführung von Cork Tips und Goldimitaten als günstige Alternative zu echtem Blattgold. In der Schweiz gab es eine weitere Alternative, die JOB Nacre, hier war das Mundende mit einer Art Perlmutterpapier umhüllt (auf diesem Blog).

Pure Gold Tipped Cigarettes

Rauchen wird Mode: Der neue Trend verlangte neue Verkaufsstrategien. Marken und Verpackungen erhielten eine grössere Bedeutung. Die alte Nummerierung und Kennzeichnung der Mischungen blieben vorerst noch bestehen, wurde jedoch mit beschreibenden Zusätzen wie Gold-, Cork-Tipped, Rund, Oval, Lang, Mittel, Klein, Voll, Mittel und später Mild angereichert.

Auch die traditionelle Art Zigaretten in Holzkistchen und Pappschachteln mit 100 oder mehr Zigaretten zu verkauft wurde hinterfragt. (Exklusive und exotische Marken wurden zum Teil in aufwendigen Blechdosen angeboten, siehe Simon Arzt). Packungen mit 10 und 20 Zigaretten sowie Kartons mit 25 und 50 Zigaretten wurden ab 1880 nach und nach eingeführt. Um das Rauchen noch populärer zu machen, gelangten um 1890 Packungen mit 5 Zigaretten in den Verkauf. In meiner Jugend konnte man selbst einzelne Zigaretten kaufen.

Eine Erfindung führte zum Erfolg: 1881 erhielt James Bonback aus Virginia das Patent für die von ihm erfundene Zigarettenrollmaschine. Diese ermöglichte es 10’000 Zigaretten pro Stunde herzustellen. Eine Revolution, denn bis dahin wurden Zigaretten noch ausschliesslich von Hand gedreht. Um die Effizienz seiner neuen Maschine zu demonstrieren, veranstaltete Bonsack 1897 einen Zigaretten-Roll-Wettbewerb: Gesucht wurde der/die schnellste RollerIn. Mit 162 handgerollten Zigaretten in 30 Minuten gewann Lily Lavender den Wettbewerb!

James Albert Bonsack

Die von James Albert Bonsack erfunden Zigarettenrollmaschine (U.S. patent 238,640, granted March 8, 1881)

Um die Jahrhundertwende (1900) führte ein erbitterter «Tabakkrieg» zwischen der American Tobacco Company und britischen Herstellern zu veritablen Werbekämpfen zwischen den grossen Markt-Playern. Man überbot sich mit neuen Strategien: Hauslieferungen, Preisausschreiben, Wertmarken und Sticker sammeln (Pokémon & Panini lassen grüssen) waren angesagt. Alles was das Wachstum des Zigarettenmarktes förderte, wurde ausgelotet.

Die gesundheitlichen Bedenken hinsichtlich des Rauchens von Zigaretten bestanden jedoch bereits seit dem späten 19. Jahrhundert. Nach dem 1. Weltkrieg, als viele Männer stark zigarettenabhängig nach Hause kamen und häufig gesundheitliche Probleme hatten (vermutlich nicht nur vom Tabak!), erhielt diese Thematik erneut Beachtung. Die Zigarettenindustrie reagierte um 1920 mit der Einführung der ersten Filterzigaretten. Später folgten mildere Sorten, die starken Zigaretten wurden langsam ersetzt.

In den 20er und 30er Jahren feierte die Zigarette in eine goldene Ära. Rauchen war bei Männern und Frauen Chic. Marken und Packungsdesigns spiegelten das glamouröse Image wider, dass das Rauchen erlangt hatte. Vornehme Clubs, Gesellschaften sowie grosse Theater- und Kinoketten führten eigene Zigarettenmarken ein, hier ein paar Namen: Foyer, Private Lounge oder Circle.

Mit der ab 1930 zunehmenden Beliebtheit des Virginia-Tabaks begann der Stern der exotischeren importierten Marken langsam aber stetig zu sinken. Die mondänen Goldspitzen, die mit den exklusiven Importmarken verbunden wurden, wurden von den neuen Filterzigaretten ersetzt und waren bis 1940 fast verschwunden. In Folge des 2. Weltkrieges verschwanden viele kleinere Hersteller, grössere überlebten durch Zusammenschlüsse.

Die wichtigsten Tabaksorten und ihr typischer Geschmack:

  • Virginia-Tabak: süss, strohig und heuartig.
  • Burley-Tabak: würzig, bitter, erdig und holzig.
  • Orient-Tabak: süsslich, schwer, schweißig und grasig.

Nach den Kriegsjahren in den 50er Jahren brachten die meisten Zigarettenmarken zu den herkömmlichen «Plains», eine Alternative mit Filterspitze. Benson & Hedges führte 1960 das King-Size Format ein. Diese wurde von anderen Herstellern schnell kopiert. Weitere Varianten folgten: Super King, International Size oder Slims. Ab 1970 wurden viele der Zigaretten in normaler Stärke wegen gesundheitlicher Bedenken vom Markt genommen. 1971 erschien in Grossbritannien die ersten Gesundheitswarnungen auf den Verpackungen.


Craven A Cork Tipped

Craven A Cork Tipped

DIE GESCHICHTE VON CRAVEN „A“

Die Geburtsstunde:

Im Jahr 1904 wurde die Carreras and Marcianus Ltd an der St James’s Place, Aldgate EC3 gegründet. Zweck der Firma war es die Produktion von maschinell hergestellten Zigaretten aufzunehmen. Im gleiche Jahr feierten drei Marken ihren Markteintritt, darunter Black Cat. Sie war die erste Zigarette im Vereinigten Königreich, bei welcher man beim Kauf Gutscheine enthielt, diese konnten gegen Geschenke eingelöst werden.

1921 brachte Carreras die Marke Craven „A“ auf den Markt. Sie sollte für das Unternehmen ein grosser und durchschlagender Erfolg werden, zu ihren besten Zeiten wurde sie in 120 Ländern verkauft. Craven „A“ war die erste maschinell hergestellte Zigarette mit Korkspitze. Ihr Name wurde nach dem Earl of Craven benannt, deren Familie enge Freunde der Firma waren.

Kurz nach der Einführung von Craven „A“ brachte Carreras 1921 weitere Marken wie Wall Arms, Piccadilly und Turf auf den Markt. Bereits 1927 stiess das Arcadia-Werk an der City Road an seine Kapazitätsgrenzen. Der Krieg hatte die Nachfrage nach Zigaretten massiv erhöht, trotz der Übernahme anderer Londoner Betriebe in Aldgate musste Carreras eine Lösung für eine neue Fabrik und grössere Produktionsmengen finden.

Im Jahr 1928 wurde das berühmte Arcadia-Werk in Mornington Crescent NW1 eröffnet, einem angesagten Ort, der damals von Künstlern und Schriftstellern frequentiert wurde. Das Gebäude, das zu einem wichtigen Wahrzeichen Londons geworden ist, war für die Zeit in seinem Konzept wie in seinem Design revolutionär. Es war das erste architektonische Werk in Grossbritannien, bei welchem die neue Spannbetontechnologie zum Einsatz kam. Dazu kam noch weiter technische Highlights: so verfügte sie über eine Klimaanlage oder eine Staub Absauganlage zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Auch war das Unternehmen das Erste, das für seine Mitarbeitenden umfassende Sozialleistungen erbrachte. Den Eingang zum imposanten Gebäude dominieren noch heute zwei grosse Bronzekatzen. Diese Abbilder des ägyptischen Gottes Bastet, welche in der Londoner Haskins-Giesserei gefertigt wurden, sind jeweils zwei Meter gross und wachen bis heute stolz und erhaben über Arcadia Works.

Carreras and Marcianus Ltd Craven A Craven A Cat

Die Anziehungskraft der Arcadia-Werke am Mornington Crescent war so gross, dass sie oft vom britischen Adel und vom König besucht wurden, darunter der Herzog von Windsor, König George VI oder dem Herzog von Kent.

Craven A Cork TippedCraven A Cork TippedCraven A Cork TippedCraven A Cork TippedCraven A Cork TippedCraven A Cork Tipped

Das Raucherlebnis nach so lange Zeit: Nachdem ich die Zigaretten längere Zeit in meinem Humidor aufbewahrt habe war es soweit. Mir Ehrfurcht habe ich mir eine Craven A angezündet. Was dann geschah, hat mich total überrascht. Die Zigarette besitzt auch nach Jahrzehnten noch alle typischen Merkmale. So viel Geschmackserlebnis hat mir eine Zigarette schon seit einer gefühlten Ewigkeit nicht mehr bereitet. Das Aroma ist überwältigend, die Stärke wie früher, vielleicht etwas herber und weniger Süsse als in meiner Erinnerung (Eine A ist aber auch keine Sweet Afton oder Player’s Navy Cut – die waren für ihre teerige Süsse ja legendär).

Craven A Cork Tipped

Cork Tipped. Noch bevor es die Zigaretten mit Filter gab, zeichnete sich Craven „A“ mit einer echten Innovation aus. Ihr Mundstück war mit einer hauchdünnen Schicht aus echtem Kork versehen. Der Vorteil: Das lästige und zuweilen schmerzhafte Klebenbleiben feuchter Lippen am Papier gehörte der Vergangenheit an. Zudem fühlte sich das Mundstück sehr sanft an, etwas, dass zur damaligen Zeit bestimmt „unmännlich“ wirkte. Dies ist wohl der Grund, warum die Werbung vorerst hauptsächlich auf Frauen fokussiert war.

Craven A

No more Cork Tipped! R.I.P. Zum Vergleich oben eine Craven „A“ aus dem Jahre 2006. Gut zu erkennen, die Mundspitze besteht nicht mehr aus echtem Kork, sondern aus einem bedruckten Papier, so wie man es von früheren Zigaretten kennt (Marlboro usw,). Immerhin gab es 2006 noch diese wunderbare Zigarette, genauso wie auch den legendären Strand «La Plage des Jumeaux» in Ramatuelle (F)…

La Plage des Jumeaux


Das Design lebt. Auch wenn diese King Size Filterzigarette im Geschmack mit der Cork Tipped nicht zu vergleichen ist, wenigsten lebt das tolle Design (noch) etwas weiter.

Craven A King Size

Craven A King SizeCraven A King Size


Werbung aus vergangenen Zeiten

craven a cork tipped cigarettes advertising

Was heute absolut undenkbar ist, war nach dem Ersten Weltkrieg ein erfolgreicher Slogan, mit dem die Marke für ihr Produkt Werbung machte: „Will Not Affect Your Throat.“ „Reizt Ihren Hals nicht.“…

craven a cork tipped cigarettes advertisingcraven a cork tipped cigarettes advertising

 

Und noch eine hübsche Tipped-Geschichte zum Schluss:

Hier geht es um die Geschichte einer antiken Zigarettenschachtel aus den 1920er Jahren. Die Aussenseite ziert ein blau-rosa Bild eines ägyptischen Scheichs, im Hintergrund sieht man Palmen, Pyramiden und Kamelen. Im Inneren befinden sich 18 originale «Gold Tipped».Zigaretten (um ein Ankleben der Lippen zu verhindern). Jede Zigarette ist mit dem filigranen Stempel «Specially Made for Hope Hampton“ von M.S. & Said Abdoulatif Elgabri, Kairo».

Hope Hampton (Mae Elizabeth Hampton, 19. 2. 1897 – 23. 1. 1982) war eine aufstrebende amerikanische Opernsängerin und erfolgreiche Stummfilm Schauspielerin.  In den 1920er Jahren erlangte sie Berühmtheit mit ihren Flapper-Girl- und Sirenen-Rollen.

In Hopes Flitterwochen in Ägypten soll ein Scheich ihrem Ehemann £ 10.000 Britische Pfund für seine Frau geboten haben. Mit einem Lächeln antwortete der Ehemann dem Scheich, die Juwelen die Hope besässe hätten mehr Wert, als er für seine Ehefrau biete! Die Flitterwochen fanden 1923 statt, man kann also davon ausgehen, dass Hope zu dieser Zeit diese aussergewöhnlichen Custommade-Zigaretten als Geschenk erhielt.

M.S. & Said Abdoulatif Elgabri, Kairo

Hope Hampton actress

Hope Hampton M.S. & Said Abdoulatif Elgabri, Kairo

Gauloises Caporal Ordinaire (bleu)

Gauloises Caporal Ordinaire. „La France perd ses «brunes »: les cigarettes mythiques Gitanes et Gauloises! Diese Meldung erschien am 31. August 2005 in der französischen Presse anlässlich der Schliessung der franko-spanischen Zigarettenfabrik Altadis in Lile. Damit verschwand auch der geliebte Dunst aus den berühmten Literaten-Cafés am Montparnasse und Saint-Germain-des-Prés, in welchen bekennende Gauloises-Raucher wie der Dichter Jacques Prévert, der Schriftsteller George Orwell oder Serge Gainsbourg Hof hielten. 1876 rief die „Régie françaises des tabacs“ die Marken Odalisques, Elégantes, Hongroises, Boyards, Russes etc. ins Leben. Jede Marke führte eine „Caporal ordinaire“, welche im für diese Sorten typischen hellblauen Päckchen verkauft wurde. „Les brunes“ – damit war der dunkle Tabak gemeint – oder besser „Le bleu“, wurden diese günstigen und rustikalen Zigaretten genannt. 1910 wurde die Marke Hongroises in Gauloises umbenannt, kurz darauf gelangten die ersten 50’000 Päckchen in die legendären Tabac-Geschäfte Frankreichs. 1925 zeichnete Giot den ursprünglichen geflügelten Helm und beflügelte die Marke mit ihrem unverwechselbaren Symbol zu wahren Höhenflügen. 1936 gestaltete der Grafiker Marcel Jacno das Päckchen und überarbeitete dabei den Helm. Eine Legende und der Inbegriff französischer Zigaretten war geboren. (An dieser Stelle einen ganz speziellen Dank an Thomas, welcher dieses Päckchen an einem Flohmarkt in Zürich entdeckt und an mich gedacht hat!) Gauloises Caporal bleu Gauloises Caporal bleu Gauloises Caporal bleuGauloises Caporal Ordinaire

Entwicklung der Verpackung: Die ursprüngliche Packung ist noch nicht durchgängig Blau, lediglich der Aufdruck ist in blau gehalten. Der von Giot gezeichnete Helm wird bereits als Bildmarke eingesetzt.

Und wieder hat mit Thomas einige Raritäten besorgt. Ob ich es wage die eine oder andere Packung zu Öffnen um den Inhalt zu prüfen – zu rauchen? Der Preis sollte eigentlich Auskunft über das Alter geben. Wer weiss mehr dazu?

 

 

Karelias Virginia Plain Ovals

Karelias Virginia Plain Ovals. Eine perfekte Virginia. Wer Zigaretten wie Sweet Afton oder Player’s Navy Cut liebte, in Griechenland gibt es sie noch, eine lebende Legende. Länge: 69 mm. Breite: 9mm. Format: oval. Teer: 10mg. Nikotin: 1.0 mg. Hergestellt bei Karelia Tabacco Company Inc. Kalamata, Griechenland. Aktueller Preis: € 4.-

Mein Tipp: Macht Golf-, Bade- oder Kulturferien in Griechenland, dann könnt ihr (noch) eine paar dieser wunderbaren Zigaretten erstehen. Aber bitte mit Vorsicht geniessen, heute ist man eine solch olfaktorische „Geschmacksexplosion“ beim Rauchen nicht mehr gewohnt! Für mich ein tolles déjà-vu (herzlichen Dank lieber Patrick). Karelias Virginia Plain OvalsKarelias Virginia Plain Ovals1Karelias Virginia Plain Ovals2

Papier d’arménie

Papier d’arménie – armenisches Papier. Ausnahmsweise berichte ich hier einmal über etwas anderes als über Rauchwaren. Zugegeben, etwas Rauch entsteht auch hier, diesmal aber für den „Rauch danach“. Wer nach dem Genuss einer feinen Zigarette, Zigarre oder eines deftigen Essens am nächsten Morgen keinen störenden „Duft“ in den Wohnräumen haben will, greift also am Besten zum papier d’arménie, dessen Rauch nach Weihrauch riecht.

Das Armenische Papier wird seit 1885 in Montrouge in der Nähe von Paris in einer kleinen Manufaktur hergestellt. Die geruchsneutralisierende und antiseptische Wirkung verdankt es dem Harz des Storaxbaumes (Styrax tonkinensis) mit dem das Papier getränkt wird. Der französische Orient-Reisende Auguste Ponsot lernte im Ottomanischen Reich die Tradition der Armenier kennen, ihre Häuser mit dem Rauch von Benzoe-Harz zu parfümieren. Henri Rivier, ein Pharmazeut, entwickelte eine Methode zur einfachen Anwendung, er löste die im Harz enthalten Benzoe in Alkohol und tränkte damit Papier, das anschliessend getrocknet wurde. Wie bei Räucherstäbchen entfaltet sich der Duft durch das Abbrennen. Mireille Schvartz, eine Nachfahrin Riviers, produziert heute bereits in vierter Generation das papier d’arménie, welches in kleinen Büchlein angeboten wird. http://www.papierdarmenie.fr

papier d'arménie